Vera vom Forellensprung

geboren am 21.Februar 1980
gestorben im Mai 1993


Vera mit ca 11 Jahren

Vera war eine reinrassige Deutsche Schäfer Hündin, die zur Zucht zugelassen war. Durch tragische Umstände habe ich diesen Hund kennen und lieben gelernt. Sie hat mich meine halbe Jugendzeit, während meiner Lehre und auch noch später begleitet.
Aber fangen wir von vorne an.
Vera kam am 21.02.80 in Bauma (ZH), Schweiz zur Welt. Ein Wurf der es in sich hatte. Alle Hunde hatten zu lange Rücken und die meisten aus diesem Wurf mussten früh eingeschläfert werden.
Vera wurde von einem Mann übernommen der sich Züchter nannte.
Sie wurde dort in die Zwingeranlage gesperrt. Schläge gab es oft und Futter nicht regelmässig. Erzogen wurde Vera mit enorm viel Druck und Schlägen, was ich später versuchte auszubügeln.
Sie wurde für die Zucht zugelassen und brachte ihren ersten (es war der einzige) Wurf zur Welt.
Der Hund verkümmerte seelisch. Beim zweiten Wurf hat Vera ihre Welpen gefressen (was für mich unglaublich war, denn sie liebte alle kleinen Tiere. Sie hat sogar einmal einen Chinchilla apportiert, der versehentlich aus dem Käfig ausgebüxt ist), und der dritte Wurf ist in ihr mumifiziert. Die Hündin musste notgedrungen kastriert werden und wurde dadurch für diesen Züchter wertlos. Er wollte sie erschiessen. Durch Zufall erfuhr eine Kollegin von mir davon und nahm sie zu sich.
Vera war zu diesem Zeitpunkt ein Häufchen Elend. Mindestens 6-7 cm unter ihrer normalen Risthöhe, da sie immer geduckt durch die Welt lief. Immer gefasst wieder eine tracht Prügel zu erhalten.


Vera auf einem Abendspaziergang

Ich habe Vera kennen gelernt und irgendwie funkte es zwischen uns. Ich war damals 14 oder 15 Jahre alt.
Von der Besitzerin erhielt ich die Erlaubnis, dass ich regelmässig mit diesem Hund spazieren gehen durfte. So zogen wir zwei alleine durch die Welt. Meiner Kollegin wurde bei der Übernahme gesagt, dass Vera ein voll ausgebildeter Schutzhund sei, was sie mir mit auf den Weg gab.
Aus Büchern wusste ich wie ein Hund erzogen werden musste und wie das ganze in etwa auszusehen hatte. Ich probierte diverse Kommandos aus und siehe da, Vera wusste viele und führte sie auch aus. Am Anfang immer mit eingezogenem Kopf und angelegten Ohren, aber mit der Zeit hat sich das gelegt, denn sie fing an mir zu vertrauen. Wir hatten auch unsere Schwierigkeiten. Einmal wollte ich mit ihr mit einem Holzknebel Apportierspiele machen. Ich warf den Knebel, schickte Vera, sie holte ihn sofort und dann wollte ich den Knebel ohne Kommando wegnehmen. Sie zeigte mir ihre Zähne und warnte mich leise. Was sollte ich tun. Ich bin vom Hund weggelaufen und habe ihn in die Fussposition abgerufen. Vera liess den Knebel fallen und kam auf dem kürzesten Weg zu mir. Ich deutete ihr, dass sie warten solle und ging den Knebel holen. Und das Spiel begann von neuem. Mit der Zeit wusste ich, dass ich mit einem "Aus" von Vera alles bekam, sonst nichts.
Wir lernten viel voneinander. In den gut 10 Jahren die wir zusammen sein durften haben wir manch schöne Stunden erlebt.
Da ich Vera jederzeit, solange ich wollte bei meiner Kollegin holen durfte, gab es Zeiten in denen Vera mehr bei mir als zu Hause war. Den Hund hat es nie gestört. Sie wusste auch immer wann ich komme. Ich konnte unangemeldet bei meiner Kollegin vorbeischauen und sie wusste schon im voraus das ich kommen würde.

  
meine Tochter Nadine mit Vera :-)

Dieses zusammengehören, hat sich zwischen Vera und mir bis zu ihrem Tod nicht geändert.
Als Vera alt wurde und nicht mehr so laufen konnte, habe ich sie wohl noch besucht, aber habe sie nicht mehr so oft mitgenommen, damit ich sie nicht überfordere. Ich hatte mich schon länger nicht mehr gemeldet. Aber an diesem Mai-Tag 1993 hatte ich das Gefühl, dass ich unbedingt nach Vera fragen musste. Ich hängte mich ans Telefon. Meiner Kollegin stockte der Atem. Sie meinte dass sie heute zum Tierarzt müsse um Vera einzuschläfern, da sie nur noch unter starken Schmerzen gehen konnte und total verkrebst war. Sie meinte sie hätte mir dann in ein paar Tagen angerufen und mir den Tod von Vera mitgeteilt.
Ich bat darum, Vera mein liebstes Tier, auf ihrem letzten Gang begleiten zu dürfen.
Wir gingen zusammen zum Tierarzt und ich konnte bis zum Schluss bei meiner geliebten Vera sein und sie begleiten.

Sie war ein toller Hund, nie musste ich um meine Tochter Angst haben. Sie hätte ihr nie ein Härchen gekrümmt. Meine Nager hat sie liebevoll geleckt und versucht zu bemuttern. Was musste dieser Hund für einen super Charakter haben, dass sie trotz ihren Jugendjahren so lieb und brav blieb!!!!

Manchmal vermisse ich sie heute noch und ich weiss, für mich wird Vera immer der Beste aller Hunde bleiben.








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